Demokratische Revolution in „Teneriffa EXIT“

5. September 2011

Ich habe ein Art Cameo-Auftritt in Bernd Heibers Love-Romance-Berlin-Thriller Teneriffa EXIT, einem wunderschönen und poetischen Kinofilm, in dem ich mich selbst bei einer meiner Redeproben für die Auftritte vor dem Brandenburger Tor spielen durfte. Die Rede ist völlig improvisiert, ich hatte keinen Text vorbereitet, und wir haben sie nur ein mal gedreht.

Website: www.teneriffa-exit.de
Filmtrailer
Mein Auftritt

Viel Spaß damit!


„Das Ende der Bundesrepublik“ in der Reformationskirche

21. Dezember 2009

Der Perlen Verlag, in dem Das Ende der Bundesrepublik erschienen ist, war einer der Sponsoren bei der  2. Langen Nacht des Buches am 13. November 2009 in Moabit. Sechs unserer Autoren waren zu Lesungen eingeladen. Zwei davon fanden in der schönen Reformationskirche in der Beusselstraße statt, eine davon war ein Rückblick auf das Erste Jahr vom Ende der Bundesrepublik. Denn im Rahmen der 1. Langen Nacht des Buches im November 2008 wurde das Buch noch vor der Drucklegung zum ersten Mal vorgestellt, damals in dem herrlichen Theater Engelbrot. Eigentlich hätte ich aus dem Kapitel Politik ohne Glauben vorlesen können, wo ich unter anderem den Gedanken entwickelt hatte, dass die Kirchen für den Glauben dasselbe Problem darstellen wie die Parteien für die Politik, außerdem dass die Kirchen sich durch ihr Steuerprivileg in der Bundesrepublik zu einem Teil des öffentlichen Dienstes entwickelt hatten. Doch ich nutzte diesmal die Gelegenheit, um einmal zusammenzufassen, was alles passiert war seit der Veröffentlichung.

So erzählte ich von den Besprechungen und vor allem den vielen Nicht-Besprechungen des Buches. Denn obwohl Das Ende der Bundesrepublik die einzige alternative und abweichende Stimme in diesem Jahr der Gedenkfeiern für das 60. Jubiläum des Grundgesetzes war, haben sich die Print- und Fernsehmedien freiwillig gleichgeschaltet und ausschließlich in den Dienst der Selbstbeweihräucherung der Regierung, der Parteien und des öffentlichen Dienstes gestellt. Deshalb wird es in der zweiten, aktualisierten und erweiterten Auflage unter anderem ein neues Kapitel unter dem Titel Die Komplizenschaft der Medien geben.

Natürlich erzählte ich auch von der Gründung der Gruppe ’48 und von unseren Aktionen, zeigte Videos, spannte unsere Transparente auf und verteilte an die Zuhörer die Buttons mit unserer Demokratischen Revolutionskokarde (siehe oben). Der Höhepunkt war natürlich das Erscheinen des großen Essays Die Status-Quo-Diktatur wenige Tage vor der Bundestagswahl in der WELT. Das ganze war improvisiert und frei erzählt, dazu noch alleine, da mein Partner Harald Steinhausen kurz nach Beginn seine schwere Erkältung nach Hause bringen musste. Den Besuchern der Kirche und Zuhörern hat die Veranstaltung trotzdem sehr gut gefallen, um nicht zu sagen: sie waren begeistert! Es hat großen Spaß gemacht, wieder öffentlich über die Demokratische Revolution zu sprechen, vor allem in diesem würdigen Rahmen.

Einführung in die Veranstaltungen in der Reformationskirche
von Reginald Grünenberg, Harald Steinhausen und Stefan Weidner (v.l.n.r.)

Das ist nicht die Bibel, sondern Das Ende der Bundesrepublik

Die Zuhörer waren zuerst überrascht, dann begeistert

Es hat auch wieder richtig Spaß gemacht, von unseren verrückten Aktionen am Brandenburger Tor zu erzählen


Reden für die Neue Republik Veranstaltungsreihe im Tiergarten

14. April 2009

Am 23. Mai 2009 soll in Deutschland das 60jährige Bestehen des Grundgesetzes und die Gründung der Bundesrepublik offiziell in Berlin gefeiert werden. Das Provisorium der deutschen Nachkriegsverfassung, die sich unabsehbar verschlechternden Zustände in unserem Land und die Tatsache, dass wir es nach der Wiedervereinigung versäumt haben, eine gesamtdeutsche Verfassung auf den Weg zu bringen, all das macht die ganze Feier fragwürdig, deren Vorbereitungen bereits im politischen Filz und organisatorischen Chaos stattfanden (hier ein WELT– und ein FTD-Artikel dazu, sowie die kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zu diesem Schlamassel und die Antwort der Regierung darauf) .

Wir möchten mit unserem Veranstaltungszyklus Reden für die Neue Republik ein demokratisches Forum auf den Weg bringen, wo diesem Unmut Raum gegeben wird und wo entsprechend Artikel 146 des Grundgesetzes ernsthaft über die Notwendigkeit und die Möglichkeit einer neuen Verfassung diskutiert werden soll. Dabei beziehen wir uns historisch auf die demokratisch-revolutionäre Tradition von 1848, als im Berliner Tiergarten erstmals öffentliche und freie Reden für die erste deutsche Bundesverfassung gehalten wurden.


Der Platz des 18. März 

Die nachfolgenden Angaben stehen noch unter Vorbehalt der Zustimmung des Ordnungsamtes Mitte, wo wir die Veranstaltung angemeldet haben!

Die Veranstaltungen finden zunächst an vier Terminen im Vorfeld der Grundgesetzfeiern im Mai 2009 statt:

Sonntag, 3. Mai 2009, 16.00 bis 18.00 Uhr

Sonntag, 10. Mai 2009, 16.00 bis 18.00 Uhr

Sonntag, 17. Mai 2009, 16.00 bis 18.00 Uhr

Veranstaltungsort: Platz des 18. März, 10117 Berlin, direkt vor der Westseite des Brandenburger Tors

Der Name des Platzes soll an den wichtigsten Tag der Märzevolution von 1848 erinnern, an dem hunderte von Zivilisten auf den Barrikaden getötet wurden, die für eine Bundesverfassung und demokratische Rechte kämpften. Mehr zur Geschichte des Platzes hier.

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Öffentliche Reden 1848 im Tiergarten bei den Zelten  


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Als die Deutschen noch Träume und Visionen hatten
Der Traum von universeller Demokratie und Völkerverständigung 1848


Das Ende der Bundesrepublik – Direkt unter ihrem Größten!

13. Januar 2009

Wir hätten es nicht besser treffen können! Am 18. Dezember 2008 war es endlich soweit, die Vorstellung vom Ende der Bundesrepublik in Form einer Lesung mit anschließender Pressekonferenz. Der Veranstaltungsort, das Café Tucher mit seiner gediegenen Leselounge, liegt zwischen dem Brandenburger Tor und dem Reichstag. Doch nicht nur in der Horizontalen hat dieser Ort Symbolkraft gespeichert, auch in der Vertikalen. Denn die Lounge, in der das Ende der Bundesrepublik vorgestellt, gelesen und diskutiert wurde, liegt exakt unter der Privatwohnung von Helmut Kohl, jenem Kanzler, der sicher nicht für alles verantwortlich ist, was in der Bundesrepublik schief gelaufen ist und verschlafen wurde, der sie aber mehr als jeder andere Politiker verkörpert – in seiner Größe, aber auch in seinem Alter und seiner Krankheit.

In diesem Bewusstsein traten wir vor das Publikum und die Presse. Uns war ebenfalls bewusst, dass der 18. Dezember zu den ungeeignetsten Daten im Jahr für eine Buchveröffentlichung gehört. Aber die Zeit drängt! Am Ende war es doch kein so großer Fehler, denn die Presse war recht gut vertreten. Mein Freund Harald Steinhausen, der Geschäftsführer des Perlen Verlags, eröffnete den Abend mit einer großen, ernsten und im besten Sinne pathetischen Vorstellung des Kontextes, in dem das Buch entstanden ist. Die Pointe war die gemeinsame Beobachtung von ihm und einem bekannten Politiker in der Galerie des Bundeskanzleramt, dass da gar kein Platz mehr für ein weiteres Portrait ist, wenn die gegenwärtige Kanzlerin sich auch in Öl verewigt hat. Angela Merkel ist die letzte Kanzlerin der Bundesrepublik.

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Anders als bei der ersten Lesung im Engelbrot, wo ich mein Skript nicht mehr finden konnte, war ich diesmal gut vorbereitet. Ich hatte wesentlich besser lesbare Passagen und Kapitel ausgesucht und diese eingebettet zwischen Anekdoten, Erzählungen und Reflexionen rund um die Entstehung des Buchs. Ich wollte den Leuten auch etwas auf den Zahn fühlen und habe ihnen ein so schönes wie irritierendes Zitat von Heinrich Heine aus Deutschland. Ein Wintermärchen vorgetragen, wo unser größter politischer Dichter die Ideale des revolutionären Frankreichs in Deutschland endlich erfüllt sehen will  und singt“…ganz Europa, die ganze Welt – die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter Eichen wandle. Das ist mein Patriotismus.“

Die Diskussion im Anschluss war äußerst spannend. Natürlich fühlten sich ein paar Leute ungemütlich mit Heines Pathos und mussten loswerden, dass dies natürlich nicht in einen weiteren deutschen Größenwahn führen dürfe. Ich erläuterte dazu, dass dieses Zitat eines linken, kosmopolitischen deutschen Juden mir deshalb so sehr gefällt, weil es ein Gefühl ist, das ich selbst wirklich gerne spüren würde. Doch wie soll ich stolz auf ein Land sein für das ich nichts kann, dessen politische Grundlagen weder von mir noch von meinen Eltern geschaffen wurden? Das gefangen ist in einem konstitutionellen Korsett, in dem immer weniger Menschen atmen können. Deshalb müssen die Deutschen, und zwar alle, im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden, in ihrem Land eine neue, eigene, selbst bestimmte Republik gründen. Wir müssen die Nachkriegszeit endgültig abschließen. Wir brauchen eine neue Verfassung. Darüber hinaus waren die Zuhörer  vor allem an den praktischen Aspekten interessiert, nämlich an der Gründung einer Partei, deren Hauptziel eine neue Verfassung noch Grundgesetz Artikel 146 ist. 

Eine gute Freundin, Redakteurin bei der ZEIT, hat mir danach folgende ermutigende Nachricht geschickt:
„Lieber Reginald, es war ganz, ganz hervorragend und ich war sehr begeistert von Inhalt, Stil und Auftritt und denke, dass du da eine große These am Wickel hast…“ 

Bisher haben wir auch eine Reihe äußerst positiver Rückmeldungen von Lesern bekommen. Ein anderer Freund hat mich angerufen und mir erzählt, dass das Buch ihn, der mit Politik nie etwas am Hut hatte, erstmals richtig politisiert hätte. Das war das größte Kompliment das ich mir vorstellen kann, ein Buch geschrieben zu haben, das politisiert. Auf die ersten Besprechungen in den Medien warten wir gespannt. Das wird alles auf www.ende-der-bundesrepublik.de dokumentiert.

Die Veranstaltung sollte für uns übrigens noch weitergehen. Die Clique Perlen Verlag & Freunde traf sich später im SchwarzSauer auf der Kastanienallee wo ich an der Bar neben einer hübschen kleinen Frau stand. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte von ihrem marxistischen Vater, der gerade bei ihr zuhause sitzt und sich brennend für Politik interessiert. Da gab Christian Eckert von Braumeister e.V., unser Freund und Büropartner, der Frau ein Rezensionsexemplar vom Ende der Bundesrepublik. Sie musste dann auch schon gehen. Ich fragte Christian dann, warum er ihr ein Buch geschenkt und das auch noch ausdrücklich als ‚Rezensionsexemplar‘ bezeichnete hat. Ganz einfach, sagte er, das war Heike Makatsch. Ich hatte sie nicht erkannt. Ich war wohl zu lange in Japan.


Erste Lesung im Engelbrot am 21. November 2008

11. Januar 2009

Was für eine Zeit! Was für verrückte Tage! Ich war gerade noch in Tokyo, habe dort nach einem Jahr harten Studiums die Abschlussfeier vom ETP Executive Training Programme erlebt, danach noch einen Tag auf der Audio-Fachmesse InterBEE in Chiba Makuhari und dann in den Flieger zurück nach Berlin. Dieser Teil der Geschichte, der in Japan gespielt hat, ist auf meinem englischen Blog festgehalten. In Berlin habe ich nicht einmal mein Gepäck ausgepackt, da ging es schon los. Der Perlen Verlag sollte mit drei Büchern bzw. drei Autoren an der ersten Langen Nacht des Buchs teilnehmen. 

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Ich hätte gerne die Lesungen von Sascha Lobo und Abini Zöllner besucht, aber wir waren über die ganze Stadt verteilt und ich hatte das Glück, dass ich in dem schönen Saal des alten Theaters Engelbrot in Alt-Moabit lesen durfte. Vor mir war der heftig verschnupfte Fadi Saad dran und las aus seinen Erinnerungen an die Jahre in der Jugendgang. Als ich an die Reihe kam stellte ich mit einer klitzekleinen Panik fest, dass ich mein Skript nicht finden konnte. Ich hatte für die Lesung im Flieger über Sibirien tatsächlich noch etwas geschrieben, denn ich war nicht sicher, ob ich auf Anhieb die richtigen und auch gut lesbaren Stellen im Ende der Bundesrepublik finde und ich wollte mich nicht auf Improvisation verlassen. Nun, die Umstände haben mich dann doch zur Improvisation zurück geführt. Ich fing einfach an, die Entstehungsgeschichte des Buchs zu erzählen, das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht als Buch vorlag sondern gerade erst gesetzt wurde. Die Lesung war eine Vorveröffentlichung. Diese Erzählung unterbrach ich immer wieder mit der Lesung einzelner Kapitel. Doch trotz Adrenalin und Endorphine im Blut merkte ich deutlich die Müdigkeit. Ich hatte einen Jetlag. In Tokyo war es gerade halb fünf am Morgen und mein Körper fühlte sich schon übernächtigt in Erinnerung an die alte Zeit.  

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So war mein Vortrag etwas schleppend, auch die von mir ausgewählten Kapitel waren nicht optimal geeignet für eine Lesung. Gegen Ende jedoch und dann vor allem mit den Fragen aus dem Publikum kam ich wieder in Fahrt. Ich stellte fest, dass ich sowieso lieber frei spreche als gedruckte Texte zu lesen. 

Die Frage eines Studenten fand ich spannend. Angesichts all der kulturellen Hindernisse, die uns Deutsche vom politischen Denken und Urteilen abhalten sowie der mächtigen Lobbies, die nichts anderes vorhaben als die Mißstände (ich werde nie drei gleich lautende Konsonanten hintereinander schreiben; das ist die einzige Regel der neuen deutschen Rechtschreibung, die ich nicht akzeptieren kann) der Bundesrepublik auf Dauer zu stellen weil sie daran prächtig verdienen, da stellte sich dem jungen Mann die Frage, ob man nicht einen neuen Bürger, vielleicht sogar einen ganz neuen Menschen bräuchte, um diesen Verhältnissen entgegen zu treten. Er meinte das skeptisch, denn er sah nirgends in Deutschland die Menschen, die bereit wären, dem bundesrepublikanische Establishment eine Verfassungsdiskussion aufzuzwingen, Leute, die tatsächlich bereit wären, aktiv eine Partei aufzubauen, die eine Neugründung der Republik zum Ziel hat. Das gab mir die Gelegenheit, von vielen Begegnungen aus den vergangenen fünf Jahren zu berichten, in denen sich die Gesprächspartner als geradezu ungeduldig erwiesen und eine solche Partei am liebsten sofort gegründet hätten. Es gibt da draußen eine unglaublich große Menge frei schwebender, frustrierter politischer Energie und Intelligenz die von den etablierten Parteien schon lange nicht mehr eingefangen werden kann. Die „neuen Menschen“ für die nächste Republik sind alle schon da, sie warten nur auf einen Startschuss, ein Zeichen. Davon bin ich überzeugt.

Nach der Veranstaltung gingen wir aus in unserem Kiez, im Prenzlauer Berg. Ich überwand den Jetlag mit ein paar Cocktails und fand zurück in das Berliner Nachtleben, das so ganz anders ist als in Tokyo, aber sicher nicht schlechter. Das war, alles in allem,  jedenfalls ein absolut gelungenes Willkommensfest und ich bin froh wieder hier zu sein.