Na endlich: „Das Ende der Bundesrepublik“ im SPIEGEL!

21. Dezember 2009

Ja, das wäre der Hammer gewesen, wenn der SPIEGEL 2009 eine solche Titelgeschichte zu meinem Buch gemacht hätte! Es wäre auch ein willkommenes Indiz gewesen, dass dieses Magazin tatsächlich noch politisch aktiv ist. Leider ist so ein guter Titel schon lange nicht mehr erschienen. In diesem schrecklichen Gedenkjahr, das jetzt endlich zu Ende geht, hat der SPIEGEL zu den Grundgesetzfeiern und dem 20. Jahrestag der Wiedervereinigung nur langweilige Mitläuferprosa abgedruckt und sich vorgesehen, dass man ihn nicht vom STERN oder anderen Magazinen der Wartezimmerauslagen unterscheiden kann. Aber damals! Aber damals! Da hatte der SPIEGEL noch einen Sinn für das Große und Ganze. Das war ja auch noch vor der Zeit von Stefan Aust, der dem Blatt in Gutsherren- und schlimmer noch: Herrnreitermanier jeden  journalistisch, intellektuellen und sprachlichen Ehrgeiz ausgetrieben hat – siehe und lies die ätzende Polemik von Oliver Gehrs in Der Spiegel-Komplex. Wie Stefan Aust das Blatt für sich wendete.

Dieser hier abgebildete SPIEGEL-Titel zierte die Ausgabe Nr. 11 Anno Domini 1990. Ich habe ihn erst heute entdeckt – und das hat bei mir ein seltsames Gefühl der zeitlichen und historischen Unordnung erzeugt, als ob jemand im Kalender herumgepfuscht und wichtige Ereignisse willkürlich verschoben hätte.

Von dieser unsinnigen Übertitelung „Der Preis der Einheit“  möchte ich mich jedoch ausdrücklich distanzieren. Denn zum einen hat die Abschaffung der Bundesrepublik um der Einheit Deutschlands Willen nie stattgefunden – das wäre ja durchaus zu begrüßen gewesen, etwa in Form einer gemeinsamen Verfassung. Zum anderen soll damit andgedeutet werden, dass Einheit so teuer wird, dass die Bundesrepublik deshalb abgeschafft werden muss. Das ist völliger Unsinn und im Ende der Bundesrepublik habe ich so deutlich wie nur möglich geschrieben, dass wir die Einheit leicht finanziert hätten. Was der Bundesrepublik das Genick bricht, dass ist der Wahnsinn der großen Vereinigungspolitiker, alles, was schon im Westen  grundfalsch gemacht wurde, 1:1 auf die neuen Bundesländer zu übertragen, sprich den Föderalismus, das Beamtentum, die Bürokratie und ein längst abrissreifes Rechts- und Steuersystem.


„Das Ende der Bundesrepublik“ in der Reformationskirche

21. Dezember 2009

Der Perlen Verlag, in dem Das Ende der Bundesrepublik erschienen ist, war einer der Sponsoren bei der  2. Langen Nacht des Buches am 13. November 2009 in Moabit. Sechs unserer Autoren waren zu Lesungen eingeladen. Zwei davon fanden in der schönen Reformationskirche in der Beusselstraße statt, eine davon war ein Rückblick auf das Erste Jahr vom Ende der Bundesrepublik. Denn im Rahmen der 1. Langen Nacht des Buches im November 2008 wurde das Buch noch vor der Drucklegung zum ersten Mal vorgestellt, damals in dem herrlichen Theater Engelbrot. Eigentlich hätte ich aus dem Kapitel Politik ohne Glauben vorlesen können, wo ich unter anderem den Gedanken entwickelt hatte, dass die Kirchen für den Glauben dasselbe Problem darstellen wie die Parteien für die Politik, außerdem dass die Kirchen sich durch ihr Steuerprivileg in der Bundesrepublik zu einem Teil des öffentlichen Dienstes entwickelt hatten. Doch ich nutzte diesmal die Gelegenheit, um einmal zusammenzufassen, was alles passiert war seit der Veröffentlichung.

So erzählte ich von den Besprechungen und vor allem den vielen Nicht-Besprechungen des Buches. Denn obwohl Das Ende der Bundesrepublik die einzige alternative und abweichende Stimme in diesem Jahr der Gedenkfeiern für das 60. Jubiläum des Grundgesetzes war, haben sich die Print- und Fernsehmedien freiwillig gleichgeschaltet und ausschließlich in den Dienst der Selbstbeweihräucherung der Regierung, der Parteien und des öffentlichen Dienstes gestellt. Deshalb wird es in der zweiten, aktualisierten und erweiterten Auflage unter anderem ein neues Kapitel unter dem Titel Die Komplizenschaft der Medien geben.

Natürlich erzählte ich auch von der Gründung der Gruppe ’48 und von unseren Aktionen, zeigte Videos, spannte unsere Transparente auf und verteilte an die Zuhörer die Buttons mit unserer Demokratischen Revolutionskokarde (siehe oben). Der Höhepunkt war natürlich das Erscheinen des großen Essays Die Status-Quo-Diktatur wenige Tage vor der Bundestagswahl in der WELT. Das ganze war improvisiert und frei erzählt, dazu noch alleine, da mein Partner Harald Steinhausen kurz nach Beginn seine schwere Erkältung nach Hause bringen musste. Den Besuchern der Kirche und Zuhörern hat die Veranstaltung trotzdem sehr gut gefallen, um nicht zu sagen: sie waren begeistert! Es hat großen Spaß gemacht, wieder öffentlich über die Demokratische Revolution zu sprechen, vor allem in diesem würdigen Rahmen.

Einführung in die Veranstaltungen in der Reformationskirche
von Reginald Grünenberg, Harald Steinhausen und Stefan Weidner (v.l.n.r.)

Das ist nicht die Bibel, sondern Das Ende der Bundesrepublik

Die Zuhörer waren zuerst überrascht, dann begeistert

Es hat auch wieder richtig Spaß gemacht, von unseren verrückten Aktionen am Brandenburger Tor zu erzählen