Rezension im Deutschlandradio: „Verblüffend vernünftig“

Es wird langsam Zeit, dass die These vom notwendigen Ende Bundesrepublik in den Medien wahrgenommen wird. Oder möchte sich jemand weiter an den unsäglich onkelhaften und angesichts des über Deutschland heraufziehenden Sturms irgendwie gespenstischen Beweihräucherungen der Bundesrepublik in der Zeit und im Spiegel berauschen? Wie schrieb Thomas Darnstädt, der 2003 in der Spiegel-Serie Die verstaubte Verfassung noch mutig die „Parole 146“ ausgab und damit zum Sturz des Grundgesetzes aufrief, kürzlich im selben Magazin? 

„Doch bei aller Verlockung, die eine neue Verfassung in sich bergen mag, ist klar: Eine Einigkeit des verfassungsgebenden Souveräns, des Volkes, würde eine STUNDE NULL voraussetzen. Das könnte, wie beim Vorbild der ersten französischen Verfassung von 1791, eine Revolution sein – das wüsste in Deutschland der Verfassungsschutz zu verhindern. Oder eine Katastrophe wie vor der Geburt des Grundgesetzes – vor der die Deutschen hoffentlich ebendieses Grundgesetz bewahrt.
Schlechte Zeiten für Verfassungsdämmerung. Die Deutschen werden weiter mit ihrem Provisorium leben müssen. Auf ewig? Jedenfalls vorerst.“
Spiegel 13/2009, S. 59

Der arme Mann, der als echter Aufklärer und Provokateur startete, muss sich jetzt hinter dem Verfassungsschutz verstecken (wir haben dazu ja schon unsere Meinung geäußert) und mit einem Krieg drohen, um das von ihm selbst einst völlig zurecht attackierte Grundgesetz möglicherweise  als eine vernünftige Zwischenlösung für die Ewigkeit zu rechtfertigen.

Er hätte es besser wissen können. Ich hatte Thomas Darnstädt im Dezember angerufen, ihm vom Ende der Bundesrepublik erzählt, das deutlich inspiriert war von seiner Spiegelserie in 2003, und ihm natürlich ein Rezensionsexemplar geschickt. Nun, er hat es offensichtlich nicht gelesen, denn sonst würde er nicht so ein demütiges und resignatives Zeug schreiben. Schade eigentlich. Ich dachte, er würde sich freuen, dass jemand seinen Ansatz weiterführt und Punkt für Punkt zeigt, weshalb man das Grundgesetz ablösen muss, wie man das in die Tat umsetzen kann und vor allem: was anderenfalls passiert. Es macht eben einen riesigen Unterschied, ob man die erforderliche Stunde Null selbst bestimmt und gestaltet – oder sie von einem Zusammenbruch des Wohlstands und der öffentlichen Ordnung diktiert bekommt. Und die Eintrittswahrscheinlichkeit des zweiten Szenarios steigt ehrlich gesagt viel schneller als ich es jemals erwartet hätte. Alle Prognosen, die ich in meinem von Darnstädt leider nicht gelesenen Buch gemacht habe, sind inzwischen eher als konservativ zu betrachten. Es könnte tatsächlich noch viel schlimmer und vor allem viel schneller kommen.  

Dafür hat das Deutschlandradio das Buch gelesen und ein paar sehr kompakte Sätze über den Äther geschickt, die das Buch wirklich gut zusammenfassen:

„Alle reden von der Krise – aber ist das die richtige Bezeichnung für den aktuellen Zustand? Die Krise sei gar keine Krise, meint Reginald Grünenberg, sondern viel mehr: Das Ende des Projekts Bundesrepublik. Jedes neue milliardenschwere Rettungspaket sei ein Denkfehler. Schlimmer noch, es verhindere den nüchternen Blick auf die Wirklichkeit. So wild die These klingen mag – der Autor macht sie plausibel. Schritt für Schritt untersucht er die Ursachen und entwirft eine dramatische Transformation. Dabei kann er sich auf Mängel berufen, wie wir sie alle schon lange und gut kennen: das Parteiensystem, das Wahlrecht, den Generationenvertrag. Er nennt die Todsünden der Bundesrepublik und skizziert die Schritte in eine neue lebensfähige Demokratie. Ein provokatives, manchmal verblüffend vernünftiges Buch.“
Michael Gerwarth, Deutschlandradio Kultur am 20.3.2009
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/937792/

 


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