Unangemeldete Demo auf der Leipziger Buchmesse

21. März 2009

Das Team des Perlen Verlags, wo das Ende der Bundesrepublik erscheint,  ist mit acht, zeitweise sogar zehn Leuten in Leipzig zur Buchmesse angerückt, in einer Mannschaftsstärke wie vielleicht Suhrkamp oder Rowohlt. Es gab auch viel zu tun. Wir hatten eine ganze Reihe wichtiger Lesungen, wollten Großhändler treffen und das neue Verlagsprogramm 2009 (hier) vorstellen.

Die Hauptveranstaltung war natürlich die Lesung vom  Ende der Bundesrepublik am Samstag. Zuvor hatten unsere Freunde von der Agentur für Recht und Ordnung bereits seit Beginn der Messe mit Plakaten, Megaphon, verteilten Zitatenzetteln und auffälligen Anzügen auf die bevorstehende Veranstaltung hingewiesen. Sie sind auch vor dem Blauen Sofa aufmarschiert, wo das ZDF laufend Prominente interviewte, diesmal Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, die breit hinüber grinste zu unserem kleinen aber starken Agitatorentrupp. Der wurde dann aber unsanft vom Sicherheitsdienst abgedrängt und wir wurden darauf hingewiesen, dass wir nur innerhalb unserer Standfläche für unsere Veranstaltung werben dürfen – vier Personen mit Transparenten und Plakaten auf 4 Quadratmeter? Von wegen. Unsere wackeren Demonstranten und Einheizer waren dann erst richtig angestachelt, zeichneten Interviews mit Messebesuchern zum Thema auf, durchpflügten alle Messehallen mit ihrer Botschaft und freuten sich über das große Interesse und den Zuspruch.

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Christian Eckert hatte Spaß mit Plakat und Megaphon in der Masse

agitatoren1Die Agentur für Recht und Ordnung in Aktion

Am Abend vor der Lesung saßen wir alle in unserem War Room zusammen und berieten, wie wir das gestalten sollten. Ist es eine gute Idee, sich vor das Publikum zu setzen und mit geneigtem Kopf aus einem Buch zu lesen, das zur demokratischen Revolution aufruft? Der Verleger Harald Steinhausen rief plötzlich laut aus: „Ich hab’s!“ Seine Idee war es, die Lesung in eine unangemeldete Demo zu verwandeln. Wir würden nicht sitzen, sondern stehen. Wir würden nicht die Details des Buchinhalts vorstellen, sondern die Ideen gleich in politische Sprache umsetzen. Und so geschah es dann auch. Im Duett hielten Harald Steinhausen und ich eine politische Rede und wir forderten das Publikum auf, sich für eine neue Verfassung einzusetzen, eine neue Republik in Deutschland zu gründen.

Die Diskussion war ein spannender Schlagabtausch, wichtige Fragen zu diesem Konzepts kamen zur Sprache und konnten mit dem Publikum erörtert werden. Auch als die Demo aufgelöst wurde gingen hitzige Gespräche weiter.  Es wurde, wie eine Leipziger Bibliothekarin uns ein paar Tage später erzählte, die viele Meinungen gesammelt hatte, die beste Veranstaltung der Buchmesse. Und uns hat es einen Riesenspaß gemacht.

Die Videos und mehr Bilder folgen in Kürze.


Im Visier des Verfassungsschutzes? Na, hoffentlich!

5. März 2009

Die zuständige Dame für Presse- und Öffentlichkeit beim Perlen Verlag, wo Das Ende der Bundesrepublik erschienen ist, hat sich besorgt bei mir erkundigt, ob es stimmt, dass der Verfassungsschutz bereits hinter mir und dem Verlag her ist. Denn das sei in einer der zentralen Bars der Berliner Intelligentsia auf der Kastanienallee ausgeplaudert worden und habe Journalisten irritiert, die mich wegen des Buches in eine bekannte Talkshow einladen wollten.

Hier ist nun die Sprachregelung in dieser Frage:
Wenn der Bundesverfassungsschutz mich und den Verlag noch nicht im Visier hat, dann ist das nur ein weiterer Grund für seine Abschaffung! Keine Institution der Bundesrepublik ist so überflüssig wie der Verein der Schlapphüte.

Ich gehe noch weiter und behaupte, dass Geheimdienste in modernen Demokratien nichts mehr zu suchen haben. Und das nicht wegen ihrer dramatischen Ineffizienz und der langen Liste der Fälle kompletten Versagens, sondern aus Prinzip. Deshalb bin ich für die ersatzlose Abschaffung aller Inlands- und Auslandsgeheimdienste, die in der Bundesrepublik über 12.000 Menschen beschäftigen und den Steuerzahler jedes Jahr drei Milliarden Euro kosten. Dieses Geld ist wesentlich besser investiert bei der Polizei, die alle Fahndungsaufgaben der Geheimdienste im Inland übernehmen kann, ohne sich als agents provocateurs lächerlich zu machen wie im Falle der Durchsetzung der Führungsriege NPD mit „Verfassungschützern“, wodurch das Verfahren zum Parteiverbot gestoppt werden musste. 

Die Verfassung der nächsten Republik in Deutschland wird Geheimdienste verbieten.