Das Ende der Bundesrepublik – Direkt unter ihrem Größten!

Wir hätten es nicht besser treffen können! Am 18. Dezember 2008 war es endlich soweit, die Vorstellung vom Ende der Bundesrepublik in Form einer Lesung mit anschließender Pressekonferenz. Der Veranstaltungsort, das Café Tucher mit seiner gediegenen Leselounge, liegt zwischen dem Brandenburger Tor und dem Reichstag. Doch nicht nur in der Horizontalen hat dieser Ort Symbolkraft gespeichert, auch in der Vertikalen. Denn die Lounge, in der das Ende der Bundesrepublik vorgestellt, gelesen und diskutiert wurde, liegt exakt unter der Privatwohnung von Helmut Kohl, jenem Kanzler, der sicher nicht für alles verantwortlich ist, was in der Bundesrepublik schief gelaufen ist und verschlafen wurde, der sie aber mehr als jeder andere Politiker verkörpert – in seiner Größe, aber auch in seinem Alter und seiner Krankheit.

In diesem Bewusstsein traten wir vor das Publikum und die Presse. Uns war ebenfalls bewusst, dass der 18. Dezember zu den ungeeignetsten Daten im Jahr für eine Buchveröffentlichung gehört. Aber die Zeit drängt! Am Ende war es doch kein so großer Fehler, denn die Presse war recht gut vertreten. Mein Freund Harald Steinhausen, der Geschäftsführer des Perlen Verlags, eröffnete den Abend mit einer großen, ernsten und im besten Sinne pathetischen Vorstellung des Kontextes, in dem das Buch entstanden ist. Die Pointe war die gemeinsame Beobachtung von ihm und einem bekannten Politiker in der Galerie des Bundeskanzleramt, dass da gar kein Platz mehr für ein weiteres Portrait ist, wenn die gegenwärtige Kanzlerin sich auch in Öl verewigt hat. Angela Merkel ist die letzte Kanzlerin der Bundesrepublik.

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Anders als bei der ersten Lesung im Engelbrot, wo ich mein Skript nicht mehr finden konnte, war ich diesmal gut vorbereitet. Ich hatte wesentlich besser lesbare Passagen und Kapitel ausgesucht und diese eingebettet zwischen Anekdoten, Erzählungen und Reflexionen rund um die Entstehung des Buchs. Ich wollte den Leuten auch etwas auf den Zahn fühlen und habe ihnen ein so schönes wie irritierendes Zitat von Heinrich Heine aus Deutschland. Ein Wintermärchen vorgetragen, wo unser größter politischer Dichter die Ideale des revolutionären Frankreichs in Deutschland endlich erfüllt sehen will  und singt“…ganz Europa, die ganze Welt – die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter Eichen wandle. Das ist mein Patriotismus.“

Die Diskussion im Anschluss war äußerst spannend. Natürlich fühlten sich ein paar Leute ungemütlich mit Heines Pathos und mussten loswerden, dass dies natürlich nicht in einen weiteren deutschen Größenwahn führen dürfe. Ich erläuterte dazu, dass dieses Zitat eines linken, kosmopolitischen deutschen Juden mir deshalb so sehr gefällt, weil es ein Gefühl ist, das ich selbst wirklich gerne spüren würde. Doch wie soll ich stolz auf ein Land sein für das ich nichts kann, dessen politische Grundlagen weder von mir noch von meinen Eltern geschaffen wurden? Das gefangen ist in einem konstitutionellen Korsett, in dem immer weniger Menschen atmen können. Deshalb müssen die Deutschen, und zwar alle, im Osten wie im Westen, im Norden wie im Süden, in ihrem Land eine neue, eigene, selbst bestimmte Republik gründen. Wir müssen die Nachkriegszeit endgültig abschließen. Wir brauchen eine neue Verfassung. Darüber hinaus waren die Zuhörer  vor allem an den praktischen Aspekten interessiert, nämlich an der Gründung einer Partei, deren Hauptziel eine neue Verfassung noch Grundgesetz Artikel 146 ist. 

Eine gute Freundin, Redakteurin bei der ZEIT, hat mir danach folgende ermutigende Nachricht geschickt:
„Lieber Reginald, es war ganz, ganz hervorragend und ich war sehr begeistert von Inhalt, Stil und Auftritt und denke, dass du da eine große These am Wickel hast…“ 

Bisher haben wir auch eine Reihe äußerst positiver Rückmeldungen von Lesern bekommen. Ein anderer Freund hat mich angerufen und mir erzählt, dass das Buch ihn, der mit Politik nie etwas am Hut hatte, erstmals richtig politisiert hätte. Das war das größte Kompliment das ich mir vorstellen kann, ein Buch geschrieben zu haben, das politisiert. Auf die ersten Besprechungen in den Medien warten wir gespannt. Das wird alles auf www.ende-der-bundesrepublik.de dokumentiert.

Die Veranstaltung sollte für uns übrigens noch weitergehen. Die Clique Perlen Verlag & Freunde traf sich später im SchwarzSauer auf der Kastanienallee wo ich an der Bar neben einer hübschen kleinen Frau stand. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte von ihrem marxistischen Vater, der gerade bei ihr zuhause sitzt und sich brennend für Politik interessiert. Da gab Christian Eckert von Braumeister e.V., unser Freund und Büropartner, der Frau ein Rezensionsexemplar vom Ende der Bundesrepublik. Sie musste dann auch schon gehen. Ich fragte Christian dann, warum er ihr ein Buch geschenkt und das auch noch ausdrücklich als ‚Rezensionsexemplar‘ bezeichnete hat. Ganz einfach, sagte er, das war Heike Makatsch. Ich hatte sie nicht erkannt. Ich war wohl zu lange in Japan.

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